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Wirtschaft

18.04.2017 - Artikel

Stand: März 2017

Wirtschaftsstruktur

Wichtigste Wirtschaftsbereiche sind die Landwirtschaft (überwiegend kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft), der Bergbau sowie Dienstleistungen. Hauptexportgüter sind Rohstoffe (vor allem mineralische Rohstoffe wie Eisenerz, Diamanten, Gold, Bauxit, Rutil). Der industrielle Sektor ist kaum ausgeprägt. Der produktive Bereich befindet sich überwiegend auf dem Niveau traditionellen Kleinhandwerks und ist ebenfalls Teil des informellen Sektors.

Wegen der großen Schattenwirtschaft werden viele Wirtschaftsaktivitäten nicht oder nicht korrekt erfasst und unterliegen daher Schätzungen. Die Aussagekraft der Wirtschaftsdaten muss daher mit Vorbehalten betrachtet werden. Die Überführung der informellen in eine formelle Wirtschaft ist ein zentrales Anliegen der sierra-leonischen Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Die Infrastruktur und der Energiesektor sind nur schwach ausgebaut.

Internationale Verflechtung

Die wichtigsten Handelspartner Sierra Leones sind China (insbesondere im Exportbereich), die EU, Indien, die USA sowie der Nahe Osten. Insgesamt schrumpfte der Außenhandel v.a. aufgrund des Einbruchs der Rohstoffpreise im Jahr 2015 stark.

Ausländische Investoren gibt es vor allem im Dienstleistungsbereich (Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften) und im Bergbau.

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Sierra Leone sind nur schwach entwickelt. Die Handelsbeziehungen sind nicht besonders ausgeprägt und weisen einen starken Überschuss Deutschlands auf. Die von Sierra Leone exportieren Waren (hauptsächlich mineralische Rohstoffe, im geringeren Ausmaß Kakao und Kaffee) zielen kaum auf den deutschen Markt. Deutsche Exportgüter werden in Sierra Leone nachgefragt; sie werden jedoch in einem erheblichen Umfang über Drittländer exportiert, so dass Handelszahlen kein genaues Bild widergeben. An Investitionen gibt es HeidelbergCement (LEOCEM), DHL sowie einige kleinere Investitionen hier ansässiger Deutscher. Brussels Airlines fliegt neben Air France und KLM (seit Ende März 2017) Freetown regelmäßig an.

Aktuelle Wirtschaftslage

Sierra Leone ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von ca. 4,5 Milliarden US-Dollar und einem Pro-Kopf-Einkommen von ca. 700 US-Dollar im Jahr 2015 eines der ärmsten Länder der Welt. Seit Beendigung des Bürgerkriegs im Jahr 2002 gab es jedoch bis 2013 ein kontinuierliches, kräftiges und teils zweistelliges Wirtschaftswachstum. Während es 2014 auf etwa 6 % zurückging, schrumpfte die Wirtschaft 2015 um etwa 21 %. Gründe dafür waren der Einbruch der Rohstoffpreise sowie die Ebola-Epidemie. Im Jahr 2016 ist die Wirtschaft dank anziehender Rohstoffpreise und hierdurch belebter Wirtschaftsaktivität wieder um knapp 5 % gewachsen.

Im Jahr 2014 belegte Sierra Leone den 181. Platz von 188 Ländern im Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen (Human Development Index, HDI). Sierra Leone liegt damit weiterhin unter dem Durchschnittswert der Region Subsahara. Ein großer Teil der Bevölkerung, insbesondere der Jugendlichen, findet im formellen Wirtschaftssektor keine Beschäftigung und schlägt sich mit Dienstleistungen oder Kleinhandwerk des informellen Sektors durch.

Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik von Präsident Koroma ist die Förderung großer ausländischer Investitionen mit dem Ziel, rasch neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Staatseinnahmen deutlich zu steigern, insbesondere in den Bereichen Tourismus, Bergbau, Agrobusiness, Fischereiwirtschaft, Energiewirtschaft (auch erneuerbare Energien) und Ausbau der Infrastruktur (Häfen, Flughäfen, Straßen, Telekommunikation). Sierra Leone ist reich an Bodenschätzen und mit seinen schönen Stränden ein potentielles Ziel für Touristen in Westafrika.

Das Entwicklungsprogramm "Agenda for Prosperity" für den Zeitraum 2013 bis 2018 soll dazu beitragen, dass Sierra Leone bis 2035 das Niveau eines Landes mit mittlerem Einkommen erreicht. Eckpfeiler der Agenda sind Diversifizierung des Wirtschaftswachstums und Aufbau einer verarbeitenden Industrie, besseres Management der Naturressourcen, mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit, Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit (durch Ausbau der Infrastruktur, Flughafen, Häfen etc.), Schaffung und Unterstützung von Sozialversicherung und Arbeitsplätzen besonders für die Ärmsten, Verbesserung der Regierungsführung und Reform des öffentlichen Sektors (unter anderem Kampf gegen Korruption, Management der öffentlichen Finanzen, Kapazitätsbildung im Bereich Justiz, Schutz der Menschenrechte) sowie Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter.

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